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Geschichte einer Fusion

Im Herbst 2023 wandten sich die Pröpstin und die Pröpste des Kirchenkreises mit einem Schreiben an alle Kirchengemeinderäte und hauptamtlichen Mitarbeitenden, um einen kooperativen Prozess zwischen den Kirchengemeinden anzustoßen. Anlass waren sinkende Zahlen von Gemeindemitgliedern und schwindende Ressourcen – personell wie materiell. Schnell kam es zu mehreren kooperativen Gesprächen zwischen Vertreter:innen verschiedener Gemeinden in der Kirchenregion Rostock. Im Herbst 2024 gab es dann ein erstes konkretes Ergebnis dieser Zusammenarbeit: der gemeinsame Gemeindebrief der ehemaligen St. Michaels-Gemeinde, der Slütergemeinde und der Innenstadtgemeinde. Damit war es für alle Gemeindemitglieder einfacher, sich zu informieren, was diesseits und jenseits der Warnow in den anderen Gemeinden passiert, um einander besser kennenzulernen.
Ende 2024 stellte die Slütergemeinde einen Fusionsantrag an die Innenstadtgemeinde. Intensive Gespräche über Seelsorgebereiche, Stellenanteile, Finanzen, Gebäude und Verwaltung begannen. Im Frühjahr 2025 entschloss sich auch die St. Michaels-Gemeinde zur Fusion. Noch einmal fanden Gespräche und Diskussionen statt: Was bleibt erhalten? Was muss sich ändern? Wie können alle auf Augenhöhe zusammenkommen?

Im Mai 2025 wurde auf einer gemeinsamen Kirchengemeinderatssitzung die Fusion beschlossen und über einen Namen der fusionierten Gemeinde abgestimmt (Zum Namen siehe weiter unten auf dieser Seite!). Im November 2025 trafen sich die Kirchengemeinderäte und die hauptamtlichen Mitarbeitenden zu einem Klausurwochenende. Wieder gab es intensive Gespräche, Diskussionen, Vorschläge und auch Ergebnisse für die zukünftige Zusammenarbeit in der Großgemeinde bei Bewahrung von bereits vorhandenen Strukturen in den einzelnen Stadtteilen.
Seit dem 1. Januar 2026 gibt es nun die Ev.-Luth. Jakobus-Kirchengemeinde. Auf dem “Streifzug” am 1. Januar von Gehlsdorf über Dierkow in die Altstadt konnte man zu Fuß schon einmal ausloten, wie groß das neue Gemeindegebiet ungefähr ist. Feierlich begangen wurde die Fusion im Gottesdienst am 4. Januar in der Nikolaikirche. Vorfreude gibt es auf das erste Gemeindefest am Sonntag, den 28. Juni in und um die Petrikirche. Nun müssen wir zusammenwachsen und „Zusammen-Wachsen“ – deswegen ist dies auch das neue Jahresthema für unseren Gemeindebrief. Die Jahreslosung kann uns dabei eine gute Begleitung sein: Wenn Gott alles neu macht, können wir auch auf ihn vertrauen, dass er uns ausreichend Mut, Geduld und Kraft schenkt. Und wir können ihn immer wieder darum bitten zum Wohl aller, die sich der Jakobus-Kirchengemeinde verbunden fühlen. Manuela Kukuk

Klausur der Mitarbeitenden und des Kirchengemeinderats in Graal-Müritz, November 2025

Zum Gemeindenamen – Jakobus, der Ältere

Der Name Jakobus bedeutet: „der Nachgeborene“ oder „Gott schützt“. Er wurde am See Genezareth als Sohn des Fischers Zebedäus geboren und um Ostern 43 in Jerusalem durch König Herodes Agrippa I. hingerichtet. Er zählte zusammen mit seinem Bruder Johannes und Petrus zu den drei Lieblingsjüngern Jesu. Darüber hinaus ranken sich viele Legenden um diesen Jakobus. Die bekannteste ist die Überlieferung, dass Jakobus gleich nach der Himmelfahrt Christi in Spanien gepredigt haben soll und in Santiago de Compostela begraben worden sein soll. Seine Knochen wurden 816 als Reliquien in der Kirche des dort neu errichteten Wallfahrtszentrums beigesetzt, sagt die Legende.
Im Mittelalter dann galt Santiago de Compostela neben Jerusalem und Rom als wichtiges Ziel einer Pilgerreise. Was wurde aus dem alten Pilgerweg? Etwas Gutes wurde daraus. 1993 nahm die UNESCO den Jakobsweg in Spanien in die Liste des Weltkulturerbes auf… und Pilgern ist wieder „in“. Wir lesen darüber, sehen Filme oder Dokumentationen oder tun es selbst.
Die Geschichte des Pilgerwesens gehört zu unserer Geschichte und es ist wichtig und tut gut, die Verbindung zur Tradition, zur Vergangenheit zu halten oder wieder herzustellen. Wenn uns die Welt, die uns umgibt, zunehmend fremder oder sogar feindlich erscheint und vermeintliche Sicherheiten verloren gehen, haben wir mit den mittelalterlichen Fußpilgern einiges gemein und gleichzeitig können wir uns auch etwas abgucken von ihrer Sicht auf die Welt und ihren Überlebensstrategien: mit wenig auskommen, offen sein für Unvorhergesehenes, Toleranz, Gastfreundlichkeit, sich aus eigener Kraft bewegen, auf
Fremde zugehen, Zusammenhalten, wenn es schwierig wird.
Der Name „Jakobi“ gehörte schon einer Kirche in Rostock. Im Stadtbild zu sehen ist sie nicht mehr. Die Jakobikirche war die jüngste der einst vier großen Rostocker Stadtpfarrkirchen. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen getroffen und nach einer Bunkersprengung 1947 weiter beschädigt. Und trotz Wiederaufbaufähigkeit wurde 1960 ihre völlige Beseitigung angeordnet. Seitdem hatte die Jakobigemeinde keine eigene Kirche mehr und feierte ihre Gottesdienste in der Universitätskirche. Der Verlust war traumatisch. Die erste Gemeindefusion vor gut 25 Jahren mit nun auch dem Verlust des Namens und der Eigenständigkeit schickte diesen Gemeindeteil auf einen weiteren schweren Weg und erst nach und nach wurde daraus ein Weg des Zusammenwachsens und der Heilung. Heute können wir uns an den reichen Früchten dieses Prozesses freuen und sind äußerlich und innerlich eine Gemeinde. Es ist eine große Ehre, diesen traditionsreichen Namen als große Rostocker Stadtgemeinde zu übernehmen und weiterzutragen. Und ganz nebenbei hätten wir den brutalen sozialistischen Städteplanern noch im Nachhinein ein charmantes Schnippchen geschlagen.
In der Zukunft wird es weniger um die Hardware unserer Kirchen gehen (auch, aber weniger) als um den gelebten Glauben, unsere Visionen von zukünftigem Gemeindeleben, das Weitertragen der Hoffnung. Jakobus als inspirierendem Patron auf diesem Weg finde ich sehr gut.
Bärbel Hammer (Red. Maria Dietz)

Das Gemeindesiegel

Bereits in der Fusionssitzung der Kirchengemeinderäte wurde eine Arbeitsgruppe beauftragt, ein gemeinsames Siegel für unsere neue Jakobus-Kirchengemeinde zu entwickeln. Am Anfang stand ein großes Brainstorming: Wer war Jakobus? Welche Symbole stehen mit ihm in Verbindung? Welche Elemente prägen unsere Gemeinde? Schnell war klar: die Jakobsmuschel als Zeichen des Pilgerns gehört dazu – auch wir gehen als neue Gemeinde miteinander auf den Weg. Ebenso wichtig war ein maritimer Charakter: die Warnow, an deren Ufern alle drei Gemeindeteile liegen, verbindet uns durch ihre Wellen – diesseits und jenseits des Flusses. Die Möwen, allgegenwärtig im Rostocker Stadtbild, erinnern an Gottes Schöpfung und lassen uns die Trinität erahnen. Und schließlich die fünf Ansichten unserer Kirchengebäude: sie bilden die vertraute Silhouette, die für Tradition, Heimat und Glauben vieler Menschen steht. Im Zentrum des Siegels steht das Kreuz – Christus verbindet uns. Es ist nicht ganz gerade, sondern wirkt ein wenig unordentlich, fast wie ein Fensterkreuz. Vielleicht ein Blick in unsere neue Gemeinde? Vielleicht auch ein Bild dafür, dass Gemeinde nie vollkommen symmetrisch ist, sondern lebendig, bewegt und von vielen Händen geformt.
Auf dieser Grundlage begann die Gestaltungsarbeit: Dörte Fischer entwickelte Entwürfe, die Arbeitsgruppe dachte nach, gab Rückmeldungen, verwarf, ergänzte und feilte weiter. Ein lebendiges Hin und Her, bis schließlich zwei finale Varianten feststanden. Danach folgte die Abstimmung mit dem Kirchenkreis – über Schriftarten, Ränder und viele kleine Details. Am Ende wurde gewählt – und wir halten nun stolz unser
neues gemeinsames Siegel in den Händen: ein Zeichen unserer Verbundenheit und unseres gemeinsamen Weges in die Zukunft.
Dörte Fischer und Sebastian Gunkel

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